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Unschuldig in Haft – wie Justizopfer abgespeist werden / Seite 2

A, B, E, F, GR, I, L, NL, P(Cont.),SLO: Q 2,30; dkr. 17; £ 2,30; kn 22; nkr. 25;
skr. 23; sfr. 4,10; Sk 118 (Q 3,92); YTL 6,75; Ft 570

DEFGH
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
HF2 HK2 HS2 HH2 München, Donnerstag, 20. November 2008 DEUTSCHLAND-AUSGABE 64. Jahrgang
/ 47. Woche / Nr. 270 / 1,70 Euro
(SZ) Das klingt doch super: In der Schule kann man demnächst vielleicht Schach lernen
– als Pflichtfach. Zum Beispiel könnte dafür eine Mathestunde ausfallen; stattdessen
holt der Lehrer diese kleinen Steckschachspiele raus, und jeweils zwei Schüler bilden
ein Schachteam. Erst werden sie natürlich ganz niedliche Fragen stellen. Zum Beispiel,
wie man das Steckschachspiel einschaltet und hochfährt oder ob man das Spiel auch
auf USB-Stick speichern kann. Aber mit der Zeit wird es ihnen dämmern, dass hier
alles noch mit Hand gemacht wird oder, wie Leute, die dem Wort Hand nicht mehr so
recht trauen, sagen: „händisch“. Speichern kann man auch nichts beim Schach,
weshalb sich der Lehrer mit seinem spitzen, frechen Studienratshumor an die Stirn
klopfen und sagen wird: Jetzt kommt es auf euere eigene Festplatte da oben an.“
Schach ist ja Denken at its best: Man muss die Ist-Situation erkennen, die künftigen
Gegebenheiten einschätzen und mit jedem Zug beweisen, dass man unter Einberechnung
aller Möglichkeiten die einzig richtige Entscheidung getroffen hat. Diese sehr,
sehr gute Idee mit dem Schachunterricht schon für Erstklässler hat die Deutsche
Schachstiftung jetzt vorgelegt. Denn Schach, sagen die Schachfachmänner, sei viel
besser als, zum Beispiel, Counterstrike oder Mühle dazu geeignet, aus den Kindern
richtige Persönlichkeiten zu machen. Außerdem bekommt man vom Schach Geduld, Kreativität
und Originalität. Das sieht man ja auch immer wieder an den älteren Männern, die
vier Stunden lang in einem Kneipen-Hinterzimmer vor ihrem Schachbrett sitzen, ohne
auch nur ein Wort miteinander zu reden. Am Schluss haut der eine mit der Hand die
Schachuhr aus, und beide gehen dann wortlos nach Hause. Also – wenn das keine originellen
und kreativen Menschen sind, wer bitte dann? Das Zauberhafte am Schach ist ja, dass
man sich in eine tolle Unbeweglichkeit einübt. Der Schachspieler ist immer alt,
egal ob er sieben oder siebzig ist. Schachspieler sitzen Jahr um Jahr vor ihren Brettern,
verpassen Kriege, Revolutionen und Krisen, und wenn sie irgendwann endlich einen
Springer versetzen, ist die Welt schon eine andere als zu der Stunde, als sie den
ersten Bauern zwei Felder vorgerückt haben. Es ist ja auch so, dass den Schachspielern
die Welt zusehends entrückt. Irgendwann stehen sie im Park und spielen Freiluftschach.
Die Welt wird immer kleiner, dafür werden die Schachbretter immer größer, und
am Ende müssen die Spieler ihre Figuren in beide Hände nehmen und über die schwarz-weißen
Felder tragen. All das muss man bedenken, ehe man Erstklässler ans originelle und
kreative Schachspiel heranführt. Nur so zum Vergleich: Bei Counterstrike kann man
den Gegner mit ein paar schnellen, scharfen Schüssen mattsetzen.

Einsatz an Afrikas Küste
Deutsche Polizisten sollen gefasste Piraten verhören
Berlin – Die vier beteiligten Bundesministerien haben im Streit über die Ausgestaltung
des deutschen Mandats für die Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika eine
Teileinigung erzielt. Beamte der Bundespolizei sollen aus Deutschland nach Afrika
geflogen werden, wenn deutsche Staatsbürger von einem Piratenakt betroffen sind
und die Besatzung eines Bundeswehrschiffes darin verwickelte Piraten gefangen genommen
hat. Die Polizisten sollen diese Gefangenen vernehmen und einem Haftrichter vorführen.
Offen ist, ob auch der Haftrichter eingeflogen wird oder ob er die Gefangenen per
Video von Deutschland aus befragt. Der Umgang mit Gefangenen ist kompliziert, wenn
in einem Gebiet wie dem vor Somalia strikt deutsches Recht angewendet werden muss.
Unterdessen kaperten somalische Piraten im Golf von Aden drei weitere Schiffe, nachdem
sie am Wochenende mit dem Tanker Sirius Star das bisher größte Schiff in ihre Gewalt
gebracht hatten. Für die Sirius Star werden angeblich 250 Millionen Dollar Lösegeld
gefordert. (Seite 6) ble

Die kürzeste Legislaturperiode in der Geschichte Hessens ist beendet. Am Mittwoch
stimmten die Abgeordneten für die Auflösung des Landtags, der sich erst am 5. April
konstituiert hatte. Die SPD wird nun mit ihrem Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel
(rechtes

Neuer Anlauf in Hessen
Bild) in den Wahlkampf ziehen, nachdem Andrea Ypsilanti mit dem Versuch gescheitert
war, eine rot-grüne Regierung unter Duldung der Linken zustande zu brin-

gen. Die SPD-Abweichler Dagmar Metzger und Carmen Everts (linkes Bild obere Reihe)
sowie Silke Tesch und Jürgen Walter (untere Reihe) nahmen das Ergebnis der Abstimmung
äußerlich ungerührt zur Kenntnis. (Seiten 3 und 4) Fotos: AP

Künftiger Präsident bricht mit dem Kurs von Bush

Transnet-Chef Krauß gibt Amt auf
Frankfurt – Nach internem Streit gibt der Chef der größten Bahngewerkschaft Transnet,
Lothar Krauß, sein Amt nach nur sechs Monaten wieder auf. Beim Gewerkschaftstag
in der kommenden Woche will der 52-Jährige nicht mehr für den Vorsitz kandidieren,
wie Transnet nach einer Sondersitzung des Hauptvorstands in Frankfurt mitteilte.
Als Nachfolger für den Chefposten nominierte das Gremium einstimmig den bisherigen
Vize Alexander Kirchner. (Seite 6) SZ

Obama nimmt Klima-Katastrophe ernst
Ehrgeiziges Programm soll Ausstoß von Treibhausgasen in den USA drastisch senken
und Millionen Jobs schaffen
Von Reymer Klüver und Michael Bauchmüller gebracht werden, um dann schrittweise
weiter reduziert zu werden. Bis 2050 sollen 80 Prozent weniger Kohlendioxid ausgestoßen
werden. Dies entspricht der Empfehlung, die der Weltklimarat IPCC im vergangenen
Jahr abgegeben hatte. Sie gilt als Voraussetzung, um die Erderwärmung auf zwei Grad
Celsius zu begrenzen. Obama versprach zudem, 150 Milliarden Dollar in die Förderung
von Energiespar-Technologien zu stecken – was er im Wahlkampf eine Investition
in den ökologischen Umbau der US-Wirtschaft genannt hatte. Ziel sei es, „Millionen
neuer Jobs“ zu schaffen. Auch auf Nuklearenergie wolle er zurückgreifen. „Wir
müssen aber sicherstellen, dass sie sicher ist“, erklärte Obama. „Meine Präsidentschaft
wird ein neues Kapitel für Amerikas Führungsrolle beim Klimaschutz aufschlagen“,
sagte Obama und betonte seine radikale Abkehr von der Politik George W. Bushs. „Ich
verspreche Folgendes: Wenn ich Präsident bin, wird jeder Gouverneur, der saubere
Energie fördern will, einen Partner im Weißen Haus finden. Jedes Unternehmen, das
darin investieren will, wird einen Verbündeten in Washington haben. Und jede Nation,
die bereit ist, beim Kampf gegen den Klimawandel mitzumachen, wird einen Alliierten
in den Vereinigten Staaten von Amerika haben.“ Im Kongress in Washington dürften
Obamas Äußerungen indes mit Skepsis aufgenommen werden. Führende Demokraten ließen
bereits erkennen, dass der Klimaschutz angesichts der Wirtschaftskrise nicht oben
auf der Prioritätenliste stehe und ein Klimaschutzgesetz kaum vor 2010 im Kongress
behandelt werden dürfte. Wenn Obama den Prozess beschleunigen wollte, müsste er
Verwaltungsanordnungen erlassen, sogenannte executive orders. Auch Republikaner kritisierten
Obamas Ankündigung. Die Bundesregierung, aber auch Umweltschützer zeigten sich
dagegen zufrieden. „Das ist ein erstes positives Signal“, sagte Regierungssprecher
Ulrich Wilhelm. Es mache Hoffnung für die UN-Klimakonferenz, die Anfang Dezember
im polnischen Posen beginnt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der Deutschland
bei der Konferenz vertritt, äußerte sich ebenfalls zuversichtlich. „Von nun kann
sich kein Land mehr hinter den USA verstecken nach dem Motto: Wir machen nicht mit,
solange die nicht mitmachen“, sagte Gabriel der Süddeutschen Zeitung. Obamas Ziel
bedeute eine große Anstrengung für die USA, „die Anerkennung verdient und Hoffnung
macht“. Ähnlich reagierte Achim Steiner, der Chef des UN-Umweltprogrammes Unep.
„Das ist nicht nur von großer Bedeutung für die Klimakonvention“, sagte Steiner
der SZ. „Es ist auch ein Signal, dass trotz oder gerade wegen der gegenwärtigen
Finanzkrise eine ökologischere Wirtschaftspolitik neue Impulse bekommt.“ (Seite
4)

Washington/Berlin – Der künftige US-Präsident Barack Obama will trotz der Wirtschaftskrise
die Kehrtwende in der amerikanischen Klimapolitik einleiten. Bis zum Jahr 2050 sollen
die USA ihren Kohlendioxidausstoß um 80 Prozent reduzieren, gemessen an den Emissionen
von 1990. „Jetzt ist es an der Zeit, die Herausforderung ein für alle Mal anzunehmen“,
sagte Obama, „Zögern ist keine Option, Verleugnen ist nicht länger hinnehmbar“.
In einer Videobotschaft für eine nationale Klimaschutzkonferenz in Los Angeles bekräftigte
Obama seine Absicht, in den USA ein landesweites Emissionshandelssystem einzuführen
– ein ähnliches, wie es bereits in Europa gibt. Innerhalb eines guten Jahrzehnts
sollen die Schadstoffemissionen auf das Niveau von 1990

Eric Holder soll Justizminister werden
Washington – Der 57-jährige Eric Holder soll offenbar erster schwarzer Justizminister
der USA werden. Der frühere Vize-Justizminister unter Bill Clinton habe ein vorläufiges
Angebot des künftigen Präsidenten Barack Obama angenommen, sagte ein führender
Demokrat. Obamas Übergangsteam wolle aber noch ausloten, ob Holder im Senat breite
Zustimmung erhalten würde. (Seite 4) Reuters

Leiche des Milliardärs Flick gestohlen
Klagenfurt – Der Sarg mit der Leiche des vor zwei Jahren gestorbenen deutschen
Milliardärs Friedrich Karl Flick ist aus dem Mausoleum im österreichischen Kärnten
gestohlen worden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA am Mittwoch berichtete,
wurde das Mausoleum vermutlich am vergangenen Wochenende geschändet. (Panorama)
SZ

Heute in der SZ
Jenseits von Indien In Bombay und andernorts richtet sich die neue Mittelschicht
in Wohlstands-Enklaven ein. Von Oliver Meiler ............... 3 Im Keller der Gesellschaft
Warum Häftlinge Aufmerksamkeit brauchen: Morgen sind sie wieder Nachbarn. Leitartikel
von Heribert Prantl ........... 4 Nirgendwo haben sie so gewütet Wer heilt das deutsch-italienische
Kriegstrauma? Von Gustav Seibt. ..... 11 Schwarzer Mittwoch Gruner + Jahr: Massiver
Stellenabbau, Standorte weg. Von Caspar Busse .... 15 „Lebewesen sind wandlungsfähig“
Der Biologe Detlef Weigel erklärt, wie rasch sich Tiere und Pflanzen anpassen können.
................................................ 16 Die Krise wurde von Menschen
gemacht Siemens-Chef Peter Löscher über Fehler der Banker, Finanzjongleure und
über Optimismus in harten Zeiten ............. 17 Eile, weil Sarkozy es will Frankreichs
Fußball-EM-Bewerbung 2016 wird deklariert als Mittel gegen die Rezession. Von Josef
Kelnberger ....... 35 TV- und Radioprogramm ...................40 München · Bayern
.............................. 39 Reise .............................................
41 – 47 Leserbriefe · Rätsel ....................... 48, 15 Familienanzeigen
............................... 38
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ahrscheinlich träumt jeder Wissenschaftler mit kleinem Geldbeutel davon, nicht mehr
durch die Archive und Bibliotheken halb Europas reisen zu müssen, um die notwendigen
Dokumente und Bücher für seine Forschung zu finden. Von heute an könnte dieser
Traum wahr werden: Die europäische digitale Bibliothek Europeana geht online. Seit
2005 unterstützt die Europäische Kommission die Idee eines vielsprachigen Internetportals,
über das die Kulturschätze in den Nationalbibliotheken, Archiven und Museen aller
27 Mitgliedsländer kostenlos und zur freien Verfügung zugänglich gemacht werden
sollen. In einer zweijährigen Projektphase ist der heutige Prototyp von Europeana
entstanden, für den bereits mehr als zwei Millionen Werke aus etwa 1000 europäischen
Kulturinstitutionen digitalisiert wurden. Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Werke
verfünffacht werden. Wer heute als Schüler, Student, Forscher oder interessierter
Laie beispiels-

Schätze im Netz
Europas wichtigste Bibliotheken und Archive werden digitalisiert
weise etwas über den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart erfahren möchte, findet
in der digitalen Bibliothek Gemälde, Briefe und Originalpartituren des Musikers
sowie Konzertaufnahmen, die über die Nationalbibliotheken in ganz Europa verstreut
sind. Bislang hätte man dafür auf der Internetseite des Salzburger Mozart-Archivs
oder beispielsweise in der Staatsbibliothek Berlin suchen müssen. Europeana ermöglicht
Internetnutzern ein schnelleres und leichteres Arbeiten auch dadurch, dass Bild-,
Text-, Ton- und Filmarchive miteinander vernetzt sind und somit gleich auf vier Ebenen
geforscht werden kann. Meistens ist das sogar in der Sprache des jeweiligen Nutzers
möglich. Trotz aller Begeisterung für das Projekt stehen die Betreiber des digitalen
Archivs noch am Anfang. Bislang ist nämlich erst ein Prozent der europäischen Archive
digitalisiert. Frankreich hat dazu den mit Abstand größten Beitrag geleistet: 52
Prozent der Dokumente bei Europeana sind in französischen Sammlungen zu finden.
Aus Deutschland kommen aufgrund „technischer Probleme“, wie Jill Cousins, Programmdirektorin
von Europeana erklärt, gerade mal ein Prozent der digitalisierten Objekte. Die Europäische
Kommission steht deswegen vor großen finanziellen Herausforderungen. In den Mitgliedstaaten
müssen die technischen Voraussetzungen verbessert werden, um mehr Dokumente zu digitalisieren,
und das Internetportal muss unterhalten werden. In den nächsten zwei Jahren sollen
etwa 120 Millionen Euro aus dem EU-Forschungsrahmenpro-

gramm in die Digitalisierung von Bibliotheken fließen. Europeana selbst soll von
der Gemeinschaft mit jährlich zwei Millionen Euro gefördert werden. Aber das sind
längst nicht die einzigen Probleme, mit denen die neue digitale Bibliothek zu kämpfen
hat. Es gibt schon längst privatwirtschaftliche Vorreiter, und manche Fragen der
Urheberrechte sind auch noch nicht geklärt. Der Datenbank-Betreiber Google digitalisiert
im Rahmen seines Projekts „Booksearch“ ganze Bibliotheken. Europeana stehe dazu
aber nicht in Konkurrenz, sondern sei eine Ergänzung, sagte Jill Cousins in Brüssel.
Hinter Europeana verbirgt sich auch ein politisches Anliegen. Es gibt kaum ein besseres
Mittel als eine solche freiwillige, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um die
Idee einer gemeinsamen europäischen Kultur zu vermitteln. Wer sich demnächst noch
fragt, was Europa eigentlich ausmacht, wird bei Europeana fündig werden. Franziska
Brüning

BGH stärkt Rechte von Arbeitnehmern
Karlsruhe – Arbeitnehmer können künftig schon beim Androhen einer Kündigung
durch den Arbeitgeber ihre Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen. Das entschied
der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil. Er stärkt damit die Rechte von Arbeitnehmern,
die gegen eine angedrohte fragwürdige Kündigung vorgehen wollen. (Seite 5) ker.

Neue Luftröhre aus Stammzellen

Konjunkturkrise erfasst auch Chemiebranche
BASF legt 80 Produktionsanlagen still / Zwangspause für 5000 Beschäftigte in Ludwigshafen
Von Harald Schwarz Frankfurt – Die globale Wirtschaftskrise trifft nach der Autobranche
nun auch die Chemieindustrie mit voller Wucht. Der weltweit größte Hersteller dieses
Zweigs, der Ludwigshafener Konzern BASF, leidet unter einem massiven Nachfrageeinbruch.
BASF-Chef Jürgen Hambrecht sagte am Mittwoch, in weltweit 80 Anlagen werde vorübergehend
der Betrieb eingestellt. In weiteren mehr als 100 Anlagen müsse der Konzern seine
Produktion drosseln. Geplante Wartungsarbeiten würden vorgezogen. Von den Einschnitten
seien 20 000 Beschäftigte und damit etwa ein Fünftel des gesamten BASF-Personals
betroffen. BASF richte sich „auf harte Zeiten“ ein, sagte Hambrecht. Die Beschlüsse
zur Anpassung der Produktion an die geringere Nachfrage betreffen im BASF-Stammwerk
in Ludwigshafen etwa 5000 Beschäftigte. Nach einer Vereinbarung des Konzerns mit
dem Betriebsrat sollen für sie „flexible Arbeitszeitinstrumente“ wie etwa das
Abfeiern von Zeitguthaben und Urlaub eingesetzt werden. Der Chemiekonzern begründete
die Einschnitte mit einem massiven Nachfragerückgang. Sie seien notwendig, um Überkapazitäten
zu vermeiden. Die schwere Krise in der Autoindustrie strahlt dabei auch auf BASF
aus. Denn Kunden aus dieser Branche hätten bereits erteilte Aufträge kurzfristig
wieder storniert, sagte Hambrecht. Ferner belaste der verstärkte Vorratsabbau der
Abnehmer chemischer Erzeugnisse den Absatz. Zudem klagen Kunden der Chemiebranche
über eine ungenügende Verfügbarkeit von Krediten, womit sie die Banken kritisieren,
für die die Bundesregierung einen „Rettungsschirm“ im Volumen von 500 Milliarden
Euro zur Verfügung gestellt hat. Die Senkung der Produktion erfasst vor allem BASF-Betriebe,
die Produkte für die Branchen Automobil, Bau und Textil fertigen. Dabei handelt
es sich zum Beispiel um die Herstellung von Lacken für Automobile sowie um Kunstfasern.
Ein Großteil der Maßnahmen sei bereits eingeleitet, teilte BASF mit. Die geringere
Auslastung der Anlagen ist zunächst bis zum Januar vorgesehen. Halte die Nachfrageschwäche
dann an und seien alle Mittel der „flexiblen Arbeitszeitgestaltung“ ausgeschöpft,
könne das Unternehmen „an einzelnen Standorten die Notwendigkeit von Kurzarbeit
nicht ausschließen“, teilte BASF mit. An der 3,8 Milliarden Euro teuren Übernahme
des Schweizer Spezialchemiekonzerns Ciba will BASF nicht rütteln. Der Zukauf werde
zügig vorangetrieben. Anderen Unternehmen der Branche geht es nicht anders. Der
deutsche Chemieverband VCI hatte schon im dritten Quartal von einem deutlich verringerten
Absatz gesprochen. Im Oktober ging es weiter bergab. Nach Bekanntgabe der Stilllegungen
und der zurückgefahrenen Fertigung bei BASF sackte der Aktienkurs deutlich ab. Dies
war auch eine Folge der Korrektur der Gewinnprognose, die BASF gleichfalls am Mittwoch
veröffentlichte. Der Konzern teilte den Anlegern mit, dass das Ergebnis vor Zinsen,
Steuern und Sondereinflüssen des Vorjahres in Höhe von 7,6 Milliarden Euro 2008
verfehlt werde. Zuletzt war noch mit einem Profit auf Vorjahreshöhe kalkuliert worden,
was aber auch schon eine Abschwächung der ursprünglichen Prognose bedeutete. Hambrecht
sagte, die Entwicklung 2009 sei „schwer einschätzbar“.

London – Mit einem Luftröhren-Transplantat aus eigenem Gewebe haben Ärzte einer
Frau in Barcelona das Leben gerettet. Die Ärzte entfernten alle Zellen einer Spenderluftröhre
und ließen darauf neue wachsen. Diese entwickelten sich aus Stammzellen der 30-Jährigen.
Damit bedeckten sie das Transplantat und setzten es der Frau ein. Sie zeigt bisher
keine Abstoßungsreaktion. (Wissen) bart

Dax j
Xetra Schluss 4354 Punkte

Dow j
N.Y. 18 Uhr 8240 Punkte

Euro j
18 Uhr 1,2605 US-$




Das Wetter
München – Starke Bewölkung, nur am Alpenrand hin und wieder etwas Sonne. Im Norden
zum Teil kräftiger Regen, im Süden nur örtlich ein paar Tropfen. Im Bayerischen
Wald auch Schnee. Vier bis elf Grad. (Seite 40)



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